Sag mal, geht’s noch?! 

Die richtige Kommunikation für schwierige Situationen

Wir alle kennen diese Momente: Ein Gespräch verläuft eigentlich ganz normal, bis plötzlich ein Satz fällt, der uns kalt erwischt. Vielleicht ist es eine spitze Bemerkung, eine abwertende Aussage oder ein unerwarteter Vorwurf. Für einen kurzen Augenblick sind wir sprachlos. Innerlich schießt uns nur ein Gedanke durch den Kopf: „Sag mal, geht’s noch?!“

Was bleibt, ist ein unangenehmes Gefühl, Ärger oder Verletzung. Oft mischt sich beides mit einer gewissen Hilflosigkeit. Denn während wir innerlich noch sortieren, was gerade passiert ist, läuft das Gespräch schon weiter. Und genau in diesem Moment hätten wir gerne die richtigen Worte parat.

Hier liegt die Herausforderung: Wie reagieren wir souverän, wenn uns jemand verbal angreift – bewusst oder unbewusst? Wie bleiben wir ruhig, ohne uns alles gefallen zu lassen? Und wie gelingt es uns, klar zu kommunizieren, ohne selbst verletzend zu werden?


Wenn Worte treffen 

Verbale „Tiefschläge“ kommen überraschend. Sie entstehen oft aus Emotionen, Missverständnissen oder ungünstigen Kommunikationsmustern. Manchmal sind sie subtil, manchmal direkt, nicht immer sind sie böse gemeint und trotzdem wirksam.

Typische Beispiele kennen wir alle:

Unter Kolleginnen               „Ich dachte, du wärst schon weiter.“

Mitarbeiter zur Kundin       „Warum haben Sie nicht eher angerufen?“

In einer Kaffeerunde          „Tolles Bild. Man erkennt dich gar nicht.“ 

 

Solche Aussagen wirken schnell als Angriff, selbst wenn sie nur ungeschickt formuliert sind. Wir reagieren entweder impulsiv oder gar nicht. Beides fühlt sich im Nachhinein oft nicht gut an. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, darauf zu antworten. Schauen wir uns die einmal an. 

Einfach wegatmen!

In einem Kurs mit Kathrin Zach vom Institut Schulz von Thun habe ich gelernt: „Nicht alles verdient eine Reaktion.“ 

Eine Teilnehmerin in einem meiner Seminare brachte folgendes Beispiel mit: Sie und ihr Lebensgefährte hatten sich kürzlich getrennt. Als sie ihrer alleinstehenden Tante mittleren Alters davon erzählte, erwiderte diese: „Am nächsten Wochenende ist in Neustadt Hochzeitsmarkt. Versuch es doch dort mal.“ Meiner Teilnehmerin verschlug es die Sprache. Sie hatte Mitgefühl erwartet und auf keinen Fall diesen Vorschlag. Dazu kommt, dass es heute auf Hochzeitsmärkten nicht um die Partnersuche geht, sondern um die Hochzeitsplanung, angesagte Locations, Kleider und Schmuck. 

Meine Teilnehmerin fühlte sich überrumpelt und schwieg verletzt. Was hätte sie sagen können?

Mit Humor: „Ja stimmt, auch für dich eine gute Gelegenheit.“

Das lasse ich so nicht stehen!

Zwei Kolleginnen teilen sich ein Büro: Während Andrea, besonders jetzt im Frühling, gerne bei offenem Fenster arbeitet, bevorzugt Marietta es, das Fenster möglichst schnell wieder zu schließen.

Auch heute kommt es zu dieser Situation: Andrea hat vor wenigen Minuten das Fenster geöffnet, um frische Luft hereinzulassen. Kurz darauf betritt Marietta das Büro. Fast zeitgleich mit ihrem „Guten Morgen, Andrea“ schließt sie energisch das Fenster.

Andrea hat genug. Sie möchte dieses Verhalten so nicht länger hinnehmen und entscheidet sich, das Gespräch zu suchen.

In solchen Situationen bietet sich das Wahrnehmung-Wirkung-Wunsch-Modell an, um klar und respektvoll zu kommunizieren.

Wahrnehmung – möglichst neutral und ohne Bewertung

„Marietta, es geht um das Fenster. Ich hatte es gerade geöffnet und du hast es direkt wieder geschlossen.“

Wirkung – Darstellen der eigenen Gefühle und/oder der Auswirkungen

„Das stört mich, weil mir frische Luft beim Arbeiten wichtig ist.“

Wunsch - konkret und lösungsorientiert

„Lass uns kurz darüber sprechen und gemeinsam eine Lösung finden, die für uns beide gut passt.“

 

Es reicht!

In einer Teamrunde diskutiert die Runde über ein aktuelles Projekt. Einer überlegenswerten Idee einer Mitarbeiterin, die seit ca. vier Jahren im Unternehmen tätig ist, begegnet eine Kollegin sarkastisch mit folgenden Sätzen: „Das funktioniert nicht! Das kannst du natürlich nicht wissen. Du bist ja noch neu hier.“

Persönliche Angriffe wollen und müssen wir nicht hinnehmen. Die Erwiderung der Kollegin ist eine Killerphrase. Killerphrasen, auch Totschlagargumente genannt, sollen uns mundtot machen oder unsere Idee herabwürdigen, uns bloßstellen. Hier geht es nicht mehr um die Sache, sondern gegen die Person.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Äußerung unserer Kollegin zu parieren. Wir können die Killerphrase zum Beispiel auf der Sachebene entlarven: „Ich denke, es geht hier nicht darum, wie lange ich im Unternehmen bin. Lass uns zum eigentlichen Thema zurückkommen und meine Idee als eine Möglichkeit diskutieren.“

Solche oder ähnliche Sätze fallen uns in der Kürze der Zeit oft nicht ein. Erst im Nachhinein wissen wir, was wir hätten antworten können. Das liegt daran, dass wir emotional betroffen sind. Damit fehlt uns der Zugriff auf unsere kommunikativen Ressourcen. 

 

Für die drei Varianten, auf Sag mal, geht’s noch?!-Situationen zu reagieren, gibt es jeweils weitere Möglichkeiten. Sie passen zu verschiedenen Situationen und Persönlichkeiten.

Eine wichtige Voraussetzung ist dabei, gelassen zu bleiben. Das klingt einfacher, als es ist, denn gerade in solchen Momenten kochen unsere Emotionen schnell hoch und wir reagieren impulsiv.

Wenn du lernen möchtest, in herausfordernden Situationen souveräner zu handeln und dich gezielt auf „Sag mal, geht’s noch?!“-Momente vorzubereiten, empfehle ich dir mein gleichnamiges Seminar. Dort erhältst du weitere Impulse und konkrete Werkzeuge für den Alltag. 

Ich freue mich darauf, dich in meinem Seminar zu begrüßen.

Genieße den Frühling mit seinen frischen Impulsen, neuen Perspektiven und kleinen Momenten der Leichtigkeit.

Herzliche Grüße

Conny Dill