Nicht jede freie Minute braucht einen Plan
Ich habe mir für diesen Sommer etwas Besonderes vorgenommen: einen Monat Zeit für mein Buch. Keine Seminare oder Coachings, weniger Termine, mehr Raum für Ideen, Gedanken und viele, viele Seiten.
Dabei merke ich: Gute Arbeit braucht nicht mehr Tempo. Manchmal braucht sie genau das Gegenteil.
Ich schreibe am liebsten früh am Morgen. Dann bin ich wach, konzentriert und voller Energie. Als bekennende Lerche ist das einfach meine Zeit. Und wenn gerade einer meiner Gasthunde bei mir ist, beginnt der Tag gerne mit einem Kaffee und einem Spaziergang am Strand. Danach geht es an den Schreibtisch.
Diese kleinen Auszeiten tun mir gut. Sie geben mir Energie und helfen mir, mit Freude bei meinem Buchprojekt zu bleiben. Das ist mir wichtig: Das Schreiben soll trotz aller Ziele, Pläne und Ansprüche ein Vergnügen bleiben.
Natürlich habe ich diesen Monat geplant.
Ich weiß, wann und welche Kapitel ich schreiben möchte, was ich in dieser Zeit schaffen will. Ich beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit Zeit- und Selbstmanagement. Ganz ohne Plan geht es bei mir nicht.
Trotzdem stelle ich gerade fest: Nicht jede freie Minute braucht einen Plan.
Wir sind gut darin, unseren Alltag zu füllen. Ein Termin folgt auf den nächsten, zwischendurch beantworten wir schnell eine E-Mail, erledigen eine Kleinigkeit oder greifen zum Smartphone. Das beobachte ich auch in den Seminarpausen. Kaum beginnt die Pause, werden Nachrichten gelesen, E-Mails gecheckt, kurze Anrufe gemacht.
Selbst unsere freie Zeit ist oft erstaunlich gut organisiert.
Wir treiben Sport, treffen Freunde, hören Podcasts, kümmern uns um den Garten, planen Ausflüge oder arbeiten die Dinge ab, für die unter der Woche keine Zeit geblieben ist.
Wann tun wir eigentlich einmal nichts?
Auch mir fällt das nicht leicht. Gerade wenn ich an meinem Buch schreibe, könnte ich schließlich immer noch etwas tun. Einen Abschnitt überarbeiten. Eine Quelle recherchieren. Eine Idee festhalten.
Doch ich merke: Die besten Gedanken lassen sich nicht planen.
Einige Ideen entstehen am Schreibtisch. Andere beim ersten Kaffee am Morgen, beim Spaziergang am Strand mit einem meiner Gasthunde oder genau dann, wenn ich gerade mit etwas ganz anderem beschäftigt bin.
Vielleicht brauchen wir solche Zeiten viel dringender, als wir denken.
Zeiten, in denen wir nicht funktionieren, nichts abarbeiten und kein konkretes Ergebnis produzieren müssen. Zeiten, in denen unsere Gedanken einfach ein wenig spazieren gehen dürfen.
Das gilt auch für unseren Arbeitsalltag.
Wir sind häufig von morgens bis abends im Reaktionsmodus. Termine, Gespräche, Entscheidungen, E-Mails und immer wieder neue Themen, die unsere Aufmerksamkeit fordern.
Einen großen Teil unserer Zeit nutzen wir zum Handeln und Erledigen. Wir brauchen auch Zeit zum Denken.
- Was beschäftigt mich gerade wirklich?
- Wo sollte ich genauer hinschauen?
- Was läuft gut?
- Was braucht meine Aufmerksamkeit?
- Welche Idee möchte ich weiterverfolgen?
- Und welche Entscheidung sollte vielleicht noch ein wenig reifen?
Mein Sommerimpuls für dich:
Lass in den nächsten Tagen eine kleine Lücke einfach eine Lücke sein.
Lass die Lücke einfach bestehen.
Gönn deinen Gedanken Zeit, ihren eigenen Weg zu gehen.
Genieße den Moment.
Und sei gespannt, was dabei entsteht.
Ich werde das in diesem Sommer ausprobieren und bin gespannt, wie gut mir das gelingt. Freie Zeit einfach einmal freie Zeit sein zu lassen, ist für mich ungewohnt. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen ich damit mache.
Manchmal brauchen wir nicht mehr Zeit. Sondern mehr Ruhe in der Zeit, die wir haben.
Herzliche Grüße und einen wunderbaren Sommer
Eure Conny